Schule

Entfremdete Existenzen an der FOSBOS

Lesung mit Lyriker Christoph Klimke

Die Aula der Beruflichen Oberschulen Ingolstadt im Dachgeschoss des Flandernhauses ist gesteckt voll. Etwas gehetzt kommen noch kurz vor Beginn die letzten Klassen die Treppe hochgeschnauft und suchen sich einen Platz. Auf die dreizehnten Klassen der FOSBOS wartet heute, anders als an diesem Ort üblich keine spannende Infoveranstaltung, sondern ein literarischer, beziehungsweise lyrischer Dialog unter dem Titel „Entfremdete Existenzen“ mit dem in Berlin lebenden Autor Christoph Klimke.

Die Lyrik, zu welcher es manchem jungen Erwachsenem schwer fallen mag einen Zugang zu finden, soll den Schülern etwas nähergebracht werden. Klimke stellt gleich zu Beginn klar, dass die Dichtung für ihn die wichtigste Kunstform sei, obwohl er sagt: „Gedichte schreiben ist ja eigentlich eine absurde Tätigkeit. Wenn man etwas wissen will soll man halt googeln.“ Gedichte seien laut ihm aber eben kein einfaches Werkzeug zur Informationsbeschaffung, sondern „kleine Geheimnisse, welche die Welt anders erklären.“

Nach der kurzen Einführung liest der Autor rund 15 seiner Werke zu den Themen Berlin, Natur, Liebe und Sondergänger vor. Zum besseren Verständnis immer zweimal, wobei er beim zweiten Mal kurze Erläuterungen zu einzelnen Passagen gibt. Beinahe jedes Gedicht ist als ein langer Bandwurmsatz gestaltet. Das letzte Wort eines Verses fungiert gleichzeitig als erstes des nächsten. Die Dichtungen sind außerdem reimlos und besitzen eine scheinbar offene und zufällige Form. Tatsächlich ist jeder Abschnitt aber genauestens durchgeplant. „30 bis 40 Fassungen landen immer im Papierkorb, bis das Gedicht fertig ist.“

Klimke verarbeitet die Teilung Berlins, beschriebt in großen Metaphern die Liebe, sowie die vordergründliche Idylle der Natur, hinter der sich auch Grausamkeit verbergen kann. Ein Fokus liegt zudem auf „entfremdeten Existenzen“, beziehungsweise Sondergängern, für die er sich interessiert. Gedichte über die noch weitgehend unbekannte Autorin Christa Reinig und der Komponisten Robert Schuhmann sowie Marieluise Fleißer.

Duch diese Lesung wurde die Lyrik den Schülern zugänglich gemacht und erscheint nun etwas weniger wie aus dem Elfenbeinturm.

Text: Lorenz Schlungerer

Bild: Redaktion der Schülerzeitung

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